PV auf dem Flachdach: Aufständerung, Ballast und die Statikfrage
Flachdachanlagen werden beschwert statt verschraubt. Was die Ballastmenge treibt, ab wann ein Statiker ran muss und wo Bitumen, Kies und Gründach die Montage verändern.

Foto: Georg Slickers · CC BY-SA 4.0 · via Wikimedia Commons
Inhaltsverzeichnis · 13 Abschnitte
- 1.Warum eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach anders geplant wird
- 2.Süd-Aufständerung oder Ost-West: Reihenabstand entscheidet über die Fläche
- 3.Ballast statt Bohren: warum die Dachhaut dicht bleiben soll
- 4.Wie die Ballastmenge auf dem Flachdach entsteht: Windzone, Höhe, Lage
- 5.Die Windlastnorm enthält für PV-Flachdachsysteme keine Beiwerte – das steht im Prüfbericht
- 6.Was ein reales Rechenblatt ausgibt – und warum nicht der Ballast die größte Last ist
- 7.Ab wann ein Statiker ins Spiel kommt – und was das kostet
- 8.Was passiert, wenn das Dach die Zusatzlast nicht trägt
- 9.Schneelast und Ballast wirken auf dem Flachdach zusammen
- 10.Bitumen, Folie, Kies oder Gründach: was der Dachaufbau für die Montage bedeutet
- 11.Wartung und Zugänglichkeit: der Vorteil des begehbaren Flachdachs
- 12.Häufige Fragen
- 13.Quellen
Auf einem Satteldach übernimmt die Dachneigung einen Teil der Arbeit: Die Module liegen parallel zur Fläche, Regen läuft ab, und die Sparren tragen die Last dorthin, wofür sie gebaut wurden. Auf dem Flachdach fehlt genau das. Jede Photovoltaikanlage dort braucht eine eigene Tragkonstruktion, die den Neigungswinkel künstlich herstellt – und diese Konstruktion muss stehen bleiben, ohne die Dachhaut zu verletzen.
Vorsicht bei der Annahme, ein Flachdach sei einfacher zu bebauen als ein Schrägdach. Es ist anders zu planen, nicht einfacher: Aufständerung, Ballast und Statik entscheiden gemeinsam darüber, wie viel Leistung am Ende wirklich aufs Dach passt und ob sie dort dauerhaft bleibt. Stand 2026, Abruf der zitierten Quellen am 05.09.2026.
Warum eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach anders geplant wird
Ohne natürliche Neigung muss jede Modulreihe künstlich aufgeständert werden – und jede aufgeständerte Reihe wirft einen Schatten auf die nächste. Deshalb braucht ein Flachdach mehr Fläche für dieselbe Leistung als ein optimal geneigtes Schrägdach: Ein Teil der Dachfläche geht als Verschattungsabstand verloren, bevor auch nur ein Modul montiert ist.
Wie viel Fläche verloren geht, hängt von der gewählten Ausrichtung ab. Nach einer Modellrechnung des Energieberatungsportals 42watt nutzt eine reine Süd-Aufständerung auf dem Flachdach nur 40 bis 50 Prozent der verfügbaren Fläche, weil zwischen den Reihen Platz für die tiefstehende Wintersonne bleiben muss. Eine Ost-West-Aufständerung kommt auf 70 bis 90 Prozent, weil die Reihen sich gegenseitig kaum verschatten.
Die grundsätzlichen Bauformen – Aufdach, Indach, Freifläche, Flachdach – und ihre jeweiligen Grenzen zeigt unser Überblick zu Photovoltaik-Anlagentypen.
Süd-Aufständerung oder Ost-West: Reihenabstand entscheidet über die Fläche
Der Reihenabstand ist die zentrale Stellschraube. Bei Süd-Aufständerung hältst du laut 42watt 3 bis 4 Meter Abstand zwischen den Reihen ein, damit die hintere Reihe im Winter nicht im Schatten der vorderen steht. Eine Ost-West-Aufständerung senkt diesen Abstand auf 1 bis 2 Meter, weil die Module Rücken an Rücken stehen und sich in entgegengesetzte Richtungen neigen.
Auf 100 Quadratmetern Flachdach ergibt das laut derselben Quelle rund 7 Kilowattpeak in Süd-Aufständerung gegenüber etwa 12 Kilowattpeak in Ost-West – fast das Doppelte an installierter Leistung auf derselben Fläche, bei gleichzeitig geringerer Windangriffsfläche durch die niedrigere, geschlossenere Bauform.
| Merkmal | Süd-Aufständerung | Ost-West-Aufständerung |
|---|---|---|
| Typischer Reihenabstand | 3–4 Meter | 1–2 Meter |
| Flächennutzung | 40–50 Prozent | 70–90 Prozent |
| Leistung auf 100 m² (Beispiel) | ca. 7 kWp | ca. 12 kWp |
| Übliche Aufständerungswinkel | 20–30 Grad | 10–15 Grad |
Der Winkel wirkt in beide Richtungen: Eine flache Aufständerung von 10 bis 15 Grad bietet dem Wind weniger Angriffsfläche und braucht deshalb weniger Ballast. 20 bis 30 Grad erhöhen laut Photovoltaik.info zwar den Ertrag je Modul, erzwingen aber größere Reihenabstände und damit weniger Gesamtleistung pro Quadratmeter.
Eine Ost-West-Anlage bringt nach derselben Quelle 20 bis 30 Prozent mehr installierte Leistung auf gleicher Fläche als eine steile Süd-Aufständerung.
Was diese Wahl für den tatsächlichen Jahresertrag bedeutet – nicht nur für die installierbare Leistung –, rechnet unser Ratgeber zur Ost-West-Ausrichtung im Detail vor, inklusive PVGIS-Werten für unterschiedliche Standorte.
Ballast statt Bohren: warum die Dachhaut dicht bleiben soll
Der eigentliche Kern der Flachdach-Montage ist eine Entscheidung, die auf dem Schrägdach so nicht existiert: verschrauben oder beschweren? Auf dem Schrägdach hält ein Dachhaken die Unterkonstruktion fest im Sparren – dazu mehr in unserem Ratgeber, wie sich falsch montierte Dachhaken erkennen lassen. Auf dem Flachdach fehlt dieser feste Ansatzpunkt, und jede Schraube durch die Abdichtung wäre eine neue potenzielle Leckstelle.
Deshalb setzen die meisten Flachdachsysteme auf Ballastierung: Die Modultische stehen lose auf der Dachhaut, meist auf schützenden Bautenschutzmatten, und werden durch Betonplatten, Betonsteine oder Kiesschüttungen beschwert. Die Dachhaut wird nicht durchbohrt – das Risiko für Undichtigkeiten sinkt, das Gewicht auf dem Dach steigt.
Wie viel Ballast das konkret bedeutet, lässt sich nur in Spannen angeben. Nach einer Auswertung von solar-experten.info liegt der typische Ballastbedarf bei 6 bis 25 Kilogramm pro Quadratmeter Modulfläche, wobei äußere Modulreihen mit 5 bis 10 Kilogramm je Modul zusätzlich beschwert werden. In besonders windexponierten Sonderfällen kann der Bedarf laut derselben Quelle auf über 100 Kilogramm pro Modul steigen.
Wie die Ballastmenge auf dem Flachdach entsteht: Windzone, Höhe, Lage
Die Ballastmenge ist kein Erfahrungswert, sondern das Ergebnis einer Berechnung, die auf der europäischen Windlastnorm DIN EN 1991-1-4 mit deutschem Nationalen Anhang aufsetzt. Wichtige Einschränkung dazu weiter unten: Die Norm liefert den Winddruck am Standort, aber keine Beiwerte für das aufgeständerte Modulfeld selbst. Offen gesagt: Der Normtext selbst ist kostenpflichtig und liegt dieser Recherche nicht im Volltext vor. Was folgt, stammt aus Sekundärquellen, die den Inhalt der Norm referieren und einordnen – benannt ist jeweils, welche.
Nach der Fachreferenz BauNetz Wissen teilt der Nationale Anhang Deutschland in vier Windzonen mit unterschiedlichen Grundwindgeschwindigkeiten ein; die Norm darf demnach für Bauwerke bis zu einer Höhe von 300 Metern angewendet werden. Zur Windzone kommen laut derselben Quelle vier Geländekategorien hinzu, die beschreiben, wie offen oder verbaut die Umgebung ist – beides zusammen bestimmt, wie stark der Wind am konkreten Standort tatsächlich angreift.
Die Position auf dem Dach verändert die Rechnung zusätzlich. Das Fachportal haustec.de beschreibt zwei Effekte, die in der Praxis oft falsch eingeschätzt werden: Ein größerer Abstand zur Dachkante senkt die Windlast entgegen der Intuition nicht zwingend, weil die Strömung an der Kante abreißt und die erste Modulreihe mit voller Wucht trifft.
Und eine Attika unter 30 Zentimeter Höhe hat nach derselben Quelle praktisch keine schützende Wirkung – eine höhere Attika verschiebt die Belastung nur auf die zweite bis vierte Modulreihe, statt sie zu beseitigen.
Im Ergebnis gilt für Rand- und Eckbereiche eines Flachdachs übereinstimmend bei haustec.de, fotovoltaikshop.de und solar-experten.info: deutlich mehr Ballast als im geschützteren Mittelfeld. Eine feste Verhältniszahl zwischen Rand und Mitte nennt keine der drei Quellen – sie hängt von Gebäudehöhe, Windzone und Geländekategorie im Einzelfall ab.
Die Windlastnorm enthält für PV-Flachdachsysteme keine Beiwerte – das steht im Prüfbericht
„Ballast nach DIN EN 1991-1-4" klingt nach einer Zahl, die in der Norm steht. Der Prüfbericht eines unabhängigen Instituts sagt dazu etwas anderes – und zwar wörtlich.
Das I.F.I. Institut für Industrieaerodynamik, Institut an der FH Aachen und europäisch notifizierte Produktzertifizierungsstelle 1368 nach der Bauproduktenverordnung, hat für ein Flachdachsystem der K2 Systems GmbH Windkanalmessdaten ausgewertet. Die Kurzfassung des Windkanalberichts KSR04-10-1 trägt das Datum 31.07.2023, ergänzt am 10.10.2023.
Der Grund für die Untersuchung steht im Bericht selbst: Druckbeiwerte seien nötig, „da für solche Strukturen in EN 1991-1-4 keinerlei Angaben gemacht werden und in ASCE 7-10, ASCE, 7-16 und ASCE 7-22 lediglich stark vereinfachte und konservative Ansätze gegeben werden".
Die Norm liefert also den Spitzengeschwindigkeitsdruck für den Standort – die Beiwerte für das aufgeständerte Modulfeld kommen aus dem Windkanal, systemspezifisch. Deshalb sind Ballastzahlen zwischen zwei Montagesystemen nicht vergleichbar, auch wenn beide „nach DIN EN 1991-1-4" gerechnet sind.
Der Spitzensog kommt aus der Dachecke, nicht von der Fassade
Der Bericht korrigiert außerdem eine verbreitete Vorstellung: Spitzensogbeiwerte „werden im Allgemeinen nicht durch Wind senkrecht zu den Fassaden hervorgerufen, sondern durch Wirbel, die sich an den Dachecken aufgrund von Schräganströmung ausbilden".
Das erklärt, warum eine Anlage nicht nach der Hauptwindrichtung ausgelegt wird: Die kritische Anströmung ist die schräge. Deshalb dürfen die Ergebnisse laut Bericht auch dann angewandt werden, wenn die Hauptachsen des PV-Feldes nicht parallel zu den Dachrändern liegen.
Für den Randabstand nennt der Bericht eine nachrechenbare Bedingung: Die Ergebnisse gelten nur für Felder, deren Abstand vom Dachrand mindestens dem Doppelten der Differenz aus Systemhöhe und Attikahöhe entspricht. Bei 40 Zentimetern Systemhöhe ohne Attika sind das 80 Zentimeter (eigene Anwendung der Formel).
Unterschreitet die Planung diesen Abstand, verlangt der Bericht ausdrücklich „zusätzliche Sicherheiten, die in der Ballastberechnung berücksichtigt werden müssen". Der Geltungsbereich ist ebenfalls benannt: Geländekategorien 0 bis IV und eine maximale Dachneigung von 10 Grad nach EN 1991-1-4.
Was ein reales Rechenblatt ausgibt – und warum nicht der Ballast die größte Last ist
Wie eine solche Rechnung konkret aussieht, zeigt eine öffentlich abrufbare Muster-Kalkulationsgrundlage für ein K2-S-Dome-System mit vollständigen Eingangswerten. Sie stammt aus der Programmversion 1.1.10.0 und trägt das Dokumentdatum 04.07.2013 – sie ist ein Rechenbeispiel, kein aktueller Auslegungsstand.
Die Eingangswerte: Gebäude 6,00 mal 7,00 Meter, Gebäudehöhe 6,20 Meter, Attikahöhe 0,20 Meter, Geländehöhe 40 Meter, Geländekategorie Binnenland, Böengeschwindigkeitsdruck 0,650 Kilonewton je Quadratmeter, Schneelastzone 2. Neun Module zu je 19,10 Kilogramm.
Das Ergebnis: 26,60 Kilogramm Ballast je Dome-Element, in der Fläche 26,63 Kilogramm je Quadratmeter, bei einer Systemauslastung von 56,01 Prozent. Das Blatt vermerkt: „Das System konnte erfolgreich nachgewiesen werden."
Jetzt die Einordnung, die in keiner Faustzahl steckt. 26,63 Kilogramm je Quadratmeter entsprechen rund 0,261 Kilonewton je Quadratmeter (eigene Umrechnung). Die Eigenlast der Module beziffert dasselbe Blatt auf 0,115 Kilonewton je Quadratmeter – der Ballast wiegt also etwa das 2,3-Fache der Anlage selbst.
Und die Schneelast desselben Standorts steht mit 0,680 Kilonewton je Quadratmeter im Blatt. Sie ist damit rund 2,6-mal so groß wie der Ballast (eigene Rechnung). Auf einem Flachdach in Schneelastzone 2 ist nicht die Ballastierung die größte Einzellast, sondern der Winter.
Diese vier Zeilen gehören in jedes Angebot. Böengeschwindigkeitsdruck in kN/m², Schneelastzone, Ballast in kg/m² und Attikahöhe. Fehlen sie, ist die genannte Ballastmenge nicht nachvollziehbar – und du kannst sie auch keinem Statiker vorlegen. Die Zahl allein sagt nichts, solange die Eingangswerte fehlen.
Ab wann ein Statiker ins Spiel kommt – und was das kostet
Module wiegen laut Photovoltaik.info zwischen 15 und 20 Kilogramm pro Quadratmeter. Auf dem Flachdach kommt die Ballastierung hinzu, mit 10 bis 25 Kilogramm pro Quadratmeter zusätzlich – macht in Summe eine dauerhafte Mehrbelastung von bis zu 45 Kilogramm pro Quadratmeter, die vorher nicht Teil der Dachstatik war.
Bei einer Gesamtlast von 45 Kilogramm pro Quadratmeter (Module plus aufgeständerte Montage mit Ballast) ergibt sich ein zusätzliches Gewicht von 1.800 Kilogramm – fast zwei Tonnen, die dauerhaft auf der Konstruktion lasten, nicht nur kurzzeitig bei einem Sturm.
Ob das Dach diese Last trägt, kann nur ein Statiker beurteilen. Er prüft die vorhandenen Baupläne, gegebenenfalls den Zustand der Konstruktion vor Ort, und rechnet Eigengewicht, PV-Zusatzlast, Wind und Schnee zusammen. Die Kosten für dieses Gutachten liegen laut Photovoltaik.info bei einem Einfamilienhaus typischerweise zwischen 500 und 2.000 Euro – abhängig davon, ob vollständige Bauunterlagen vorliegen oder die Gegebenheiten erst aufwendig vor Ort aufgenommen werden müssen.

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Was passiert, wenn das Dach die Zusatzlast nicht trägt
Stellt der Statiker fest, dass die Tragreserven nicht ausreichen, ist die Anlage damit nicht automatisch vom Tisch – aber sie wird teurer. Nach Angaben von Photovoltaik.info kannst du für eine statische Ertüchtigung mit 50 bis über 150 Euro pro Quadratmeter zu verstärkender Fläche rechnen. Bei einem 40 Quadratmeter großen Garagendach bedeutet das zusätzliche 2.000 bis 6.000 Euro, je nach Konstruktion und Verfahren.
Ein Nachteil, den viele Angebote nicht offen ausweisen: Diese Kosten tauchen oft erst nach der Auftragsvergabe auf, wenn der Statiker schon eingeschaltet ist – und sie verändern die Amortisationsrechnung der gesamten Anlage spürbar. Wer ein Flachdach plant, sollte die Statikprüfung deshalb vor der Angebotseinholung einplanen, nicht danach.
| Situation | Zusatzkosten | Quelle |
|---|---|---|
| Statikgutachten Einfamilienhaus | 500–2.000 € | Quelle: Photovoltaik.info |
| Statische Ertüchtigung je m² | 50 bis über 150 €/m² | Quelle: Photovoltaik.info |
| Beispiel: Ertüchtigung 40 m² Garagendach | 2.000–6.000 € | Quelle: Photovoltaik.info |
Bei Carports, Garagen und Leichtbauhallen ist die Wahrscheinlichkeit einer notwendigen Ertüchtigung besonders hoch, weil diese Konstruktionen oft nur für ihr Eigengewicht und eine übliche Schneelast ausgelegt sind. Wie eine Aufdachanlage auf einem tragfähigen Schrägdach dagegen Schritt für Schritt abläuft, zeigt unser Ratgeber zur Aufdach-Installation.
Schneelast und Ballast wirken auf dem Flachdach zusammen
Ballast und Schnee treffen sich auf derselben Fläche zur gleichen Zeit – meist im Winter, wenn auch der Wind am Gebäude oft am stärksten angreift. Deutschland kennt laut Wikipedia-Fachartikel zur Schneelast fünf Schneelastzonen (1, 1a, 2, 2a, 3), deren Regelungen nach DIN EN 1991-1-3 bis zu einer Geländehöhe von 1.500 Metern über Normalnull gelten; Zone 3 umfasst unter anderem Alpenrand, Bayerischen Wald, Erzgebirge, Harz und Vorpommern.
Für die Statikberechnung einer Flachdach-Anlage ist wichtig: Die Ballastlast der PV-Anlage liegt dauerhaft auf dem Dach, die Schneelast kommt saisonal hinzu – beide zusammen ergeben die Bemessungslast, nicht nur eine von beiden.
Laut einer Fachanalyse im Deutschen Ingenieurblatt wurden im Nationalen Anhang DIN EN 1991-1-3/NA von 2019 erstmals eigene Berechnungsanweisungen speziell für Flachdächer mit aufgeständerten PV- und Solaranlagen genormt – vorher gab es dafür keine spezifische Regel, sondern nur die allgemeine Flachdachschneelast.
Bitumen, Folie, Kies oder Gründach: was der Dachaufbau für die Montage bedeutet
Nicht jede Dachhaut verträgt Ballastierung gleich gut. Bei Bitumenbahnen und Kunststofffolien (PVC, TPO, FPO) empfiehlt haustec.de grundsätzlich durchdringungsfreie Systeme, weil jede Durchdringung eine potenzielle Schwachstelle für Undichtigkeiten schafft. Entscheidend ist außerdem, worauf die Ballastierung tatsächlich aufliegt: Nach haustec.de steht die Anlage nicht auf der Tragkonstruktion, sondern auf der Dämmung – und deren Dauerdruckfestigkeit bei maximal 2 Prozent Stauchung ist die Kenngröße, die laut der Flachdachrichtlinie des Dachdeckerverbands ZVDH nicht überschritten werden soll.
Weiche Dämmstoffe wie Mineralwolle brauchen deshalb größere Auflageflächen, druckfeste Dämmstoffe wie EPS, PUR oder Schaumglas kommen mit kleineren Bodenschuhen aus. Bei Kiesdächern verteilt sich das Gewicht laut haustec.de ohnehin großflächiger, weil das Kiesbett selbst schon eine Auflast ist.
Eine Sonderform ist das Solar-Gründach. Nach einem Kurzpapier des Solar Cluster Baden-Württemberg übernimmt hier das Substrat der Dachbegrünung selbst die Ballastfunktion, meist als kalkarmer Kiessand ohne organischen Anteil.
Empfohlen wird eine Substrathöhe von 8 bis 10 Zentimetern, ein Abstand zwischen Modulunterseite und Substrat von 20 bis 30 Zentimetern, damit der Bewuchs die Module nicht verschattet, und bei Ost-West-Ausrichtung ein Reihenabstand von 50 bis 80 Zentimetern zwischen den niedrigsten Modulpunkten.
- Ist die Dachabdichtung (Bitumen, Folie, Kies) im Angebot ausdrücklich benannt – und passt das vorgeschlagene System dazu?
- Liegt ein Statikgutachten vor, oder wird nur „nach Erfahrungswert" geplant?
- Ist die Ballastmenge pro Zone (Rand, Ecke, Mitte) im Angebot einzeln aufgeführt, nicht nur als Gesamtsumme?
- Sind Bautenschutzmatten zwischen Ballast und Dachhaut vorgesehen?
- Ist geklärt, wer bei einer späteren Undichtigkeit zuständig ist – Dachdecker oder Solarteur?
Genau der letzte Punkt ist in der Praxis der heikelste. Gewerke-Übergänge zwischen Dachdecker, gegebenenfalls Dach-Begrüner und Solarteur sollten deshalb schriftlich und vor Montagebeginn geklärt sein – so empfehlen es sowohl haustec.de für die klassische Flachdachmontage als auch das Solar Cluster Baden-Württemberg ausdrücklich für das Solar-Gründach.
Eine allgemeingültige Regel, wann genau die Gewährleistung des Dachdeckers bei einer nachträglichen Montage durch einen Dritten endet, konnte diese Recherche nicht im Volltext einer verlässlichen Rechtsquelle belegen – das ist offen zu benennen, statt es zu behaupten. Kläre die Zuständigkeit deshalb schriftlich im Angebot, bevor montiert wird.
Wartung und Zugänglichkeit: der Vorteil des begehbaren Flachdachs
Ein Punkt spricht eindeutig für das Flachdach: Es ist begehbar. Wartung, Reinigung und die Sichtkontrolle der Ballastierung nach einem Sturm lassen sich ohne Leiter am Giebel und ohne Gerüst am Hang erledigen – ein Techniker steigt über die Dachluke oder eine Außentreppe direkt zur Anlage.
Das ändert nichts an den Sicherheitsanforderungen für die Arbeit selbst. Laut BauNetz Wissen ist ab einer Absturzhöhe von 3,00 Metern für Wartungs- oder Reparaturarbeiten auf dem Dach eine Absturzsicherung vorzusehen – ein fest installierter Anschlagpunkt oder ein vergleichbares System gehört bei den meisten Flachdächern damit zur Grundausstattung, nicht zur Kür.
Was bei der Reinigung selbst wirklich nötig ist – und was vor allem von Reinigungsdiensten verkauft wird –, ordnet unser Ratgeber zu PV-Reinigung und Wartung mit unabhängigen Studienzahlen ein.

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Häufige Fragen
Muss eine Flachdach-PV-Anlage immer mit Ballast beschwert werden? +
Wie viel Ballast braucht eine typische Flachdach-Anlage? +
Ab wann brauche ich einen Statiker für meine Flachdach-PV-Anlage? +
Was kostet es, wenn das Dach verstärkt werden muss? +
Lohnt sich Süd-Aufständerung oder Ost-West auf dem Flachdach eher? +
Kann ich ein Gründach mit einer PV-Anlage kombinieren? +
Ist ein Flachdach für die Wartung wirklich einfacher als ein Schrägdach? +
Quellen
Alle Angaben stammen aus dem Direktabruf der folgenden Quellen am 5. September 2026: haustec.de, PV auf dem Flachdach; Photovoltaik.info, Statik-Nachweis und Statik-Kosten sowie Aufständerung und Ballastierung; fotovoltaikshop.de zur Ballastierung; BauNetz Wissen zu Windlasten; 42watt zur Ost-West-Ausrichtung; solar-experten.info zum Ballastbedarf; Wikipedia-Fachartikel Schneelast; Deutsches Ingenieurblatt zu Dachschneelasten sowie das Kurzpapier Solar-Gründach des Solar Cluster Baden-Württemberg. Der Normtext DIN EN 1991-1-4 selbst ist kostenpflichtig und war für diese Recherche nicht im Volltext zugänglich; zitiert werden ausschließlich Sekundärquellen, die den Norminhalt referieren. Dieser Artikel ersetzt keine statische Berechnung durch einen Tragwerksplaner.
Steht die Ballastmenge in der DIN EN 1991-1-4?
Nein. Der Windkanalbericht des I.F.I. Instituts für Industrieaerodynamik vom 31.07.2023 hält ausdrücklich fest, dass „für solche Strukturen in EN 1991-1-4 keinerlei Angaben gemacht werden". Die Norm liefert den Spitzengeschwindigkeitsdruck für deinen Standort; die Druckbeiwerte für das aufgeständerte Modulfeld stammen aus Windkanalmessungen und gelten jeweils nur für das untersuchte System. Ballastzahlen zweier Hersteller sind deshalb nicht direkt vergleichbar.
Wie viel Ballast kommt in der Praxis zusammen?
Ein öffentlich abrufbares Rechenblatt für ein K2-S-Dome-System (Programmversion 1.1.10.0, Dokumentdatum 04.07.2013) nennt bei 0,650 kN/m² Böengeschwindigkeitsdruck, 6,20 m Gebäudehöhe und 0,20 m Attika 26,60 kg je Dome-Element beziehungsweise 26,63 kg/m². Das entspricht rund 0,261 kN/m² und damit etwa dem 2,3-Fachen der Modul-Eigenlast von 0,115 kN/m² – bleibt aber deutlich unter der Schneelast desselben Standorts von 0,680 kN/m².
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