Photovoltaik-Anlagentypen im Überblick: Aufdach, Indach, Freifläche oder Balkonkraftwerk?
Welcher PV-Anlagentyp passt zu deinem Haus? Unsere Redaktion vergleicht Aufdach-, Indach-, Freiflächenanlagen und Balkonkraftwerke nach Eignung, Kosten und Grenzen.

Foto: Molgreen · CC BY-SA 4.0 · via Wikimedia Commons
Inhaltsverzeichnis · 13 Abschnitte
- 1.Vier Anlagentypen, ein Ziel: der richtige für dein Dach
- 2.Aufdach-Anlage: der Standard, aus gutem Grund
- 3.Indach-Anlage: Optik hat ihren Preis
- 4.Freiflächen- und Garten-Anlage: wenn das Dach nicht mitspielt
- 5.Balkonkraftwerk / Steckersolar: der niedrigschwellige Einstieg
- 6.Flachdach, Fassade und Carport: drei Sonderformen
- 7.Abgrenzung: Solarthermie ist kein PV-Anlagentyp
- 8.Der Dach-Check: so ordnest du dein Dach in 5 Minuten selbst ein
- 9.Kosten im direkten Vergleich: was ein kWp wirklich kostet
- 10.Speicher, Förderung und Wirtschaftlichkeit: was noch dazukommt
- 11.So findest du in 3 Schritten deinen Anlagentyp
- 12.Typische Fehler bei der Wahl des Anlagentyps
- 13.Häufige Fragen
Vier Anlagentypen, ein Ziel: der richtige für dein Dach
Kurz gesagt: Für die meisten Einfamilienhäuser mit intaktem Dach ist die Aufdach-Anlage die richtige Wahl. Sie kostet laut Finanztip üblicherweise 1.000 bis 2.000 Euro je kWp, Finanztip rät zu höchstens 1.600 Euro.
Eine Indach-Anlage lohnt sich vor allem bei Neubau oder ohnehin fälliger Neueindeckung: Der ADAC nennt 1.500 bis 2.300 Euro je kWp, je nach Quelle 10 bis 30 Prozent mehr als Aufdach.
Die Garten-Anlage ist die Lösung, wenn das Dach nicht passt, und kostet laut photovoltaik.info im Schnitt 15 bis 25 Prozent mehr als eine vergleichbare Dachanlage.
Wer zur Miete oder in einer Eigentumswohnung lebt, startet mit einem Balkonkraftwerk: Ein 800-Watt-Set kostet laut ADAC 250 bis 500 Euro und deckt laut Finanztip oft 10 bis 20 Prozent des eigenen Strombedarfs.
Die Tabelle ordnet die vier Typen nach Eignung ein. Danach gehen wir jeden Typ einzeln durch, mit ehrlichen Nachteilen statt Verkaufsargumenten.
| Anlagentyp | Für wen geeignet | Eignung |
|---|---|---|
| Aufdach-Anlage | Die meisten Einfamilienhäuser mit Satteldach, Standardlösung | Sehr hoch, der Standardfall |
| Indach-Anlage | Neubau oder ohnehin anstehende Dachsanierung, hoher Anspruch an Optik | Nischenlösung, wirtschaftlich nur in Sonderfällen |
| Freiflächen-/Garten-Anlage | Großes Grundstück, ungeeignetes oder verschattetes Dach | Gut, aber genehmigungs- und flächenabhängig |
| Balkonkraftwerk | Mieter, Eigentümer mit kleinem Budget, Einstieg in Solarstrom | Niedrig-mittel, deckt nur einen Teil des Verbrauchs |
Aufdach-Anlage: der Standard, aus gutem Grund
Die Aufdach-Montage ist das, was die meisten Leute meinen, wenn sie "Photovoltaik" sagen: Module werden auf einer Aluminium-Unterkonstruktion über der bestehenden Dacheindeckung montiert, meist auf Dachhaken, die durch die Ziegel bis in die Sparren geschraubt werden. Die Dachhaut selbst bleibt intakt und wettert weiter wie vorher.
Für wen geeignet: für die überwiegende Mehrheit der Einfamilienhäuser mit Satteldach, Walmdach oder Pultdach in gutem baulichem Zustand. Module halten laut Umweltbundesamt im Regelfall 25 bis 30 Jahre; die Eindeckung sollte diese Zeit ebenfalls schaffen. Steht in den nächsten Jahren ohnehin eine Neueindeckung an, lohnt der Blick auf Indach.
Vorteile: geringste Kosten pro kWp, größte Auswahl an Modulherstellern und Modulgrößen, und ein wichtiger technischer Pluspunkt: die Hinterlüftung. Zwischen Modul und Ziegel bleibt ein Luftspalt von mehreren Zentimetern, der die Module im Sommer kühlt.
Das ist kein Detail: Typische kristalline Silizium-Solarzellen verlieren laut photovoltaik.info pro Grad Celsius über den genormten 25 °C Zelltemperatur rund 0,35 bis 0,40 Prozent ihrer Leistung. Wie stark sich die schwächere Hinterlüftung von Indach-Modulen dadurch tatsächlich auf den Jahresertrag auswirkt, steht im Indach-Abschnitt weiter unten.
Nachteile, ehrlich gesagt: optisch ist Aufdach kompromisslos "aufgesetzt", für Denkmalschutzgebiete oder sehr repräsentative Neubauten manchen Bauherren zu dominant. Und die Durchdringung der Dachhaut mit den Dachhaken ist zwar Standard und bei fachgerechter Ausführung völlig unproblematisch, erzeugt bei Laien aber oft unbegründete Sorge vor Undichtigkeiten.
Kosten grob: Üblich sind laut Finanztip derzeit 1.000 bis 2.000 Euro je kWp; mehr als 1.600 Euro je kWp solltest du ohne guten Grund nicht bezahlen.
Wie stark der Preis mit der Größe fällt, zeigt die Angebotsauswertung der Verbraucherzentrale: von 2.090 Euro je kWp bei den kleinsten bis 1.010 Euro je kWp bei den größten Anlagen. Die ganze Preisaufschlüsselung inklusive Speicher steht im Ratgeber PV-Kosten 2026.
Indach-Anlage: Optik hat ihren Preis
Bei der Indach-Montage werden die Solarmodule nicht auf, sondern anstelle der Dacheindeckung verbaut. Es gibt keine sichtbaren Ziegel mehr in der belegten Fläche, die Module selbst bilden die wetterfeste Dachhaut, meist mit speziellen Rahmenprofilen oder als komplette Solardachziegel-Systeme.
Für wen geeignet: in erster Linie für Neubauten und für Häuser, bei denen ohnehin eine komplette Dachsanierung oder Neueindeckung ansteht. In beiden Fällen spart man sich die Kosten für die reguläre Dacheindeckung auf der belegten Fläche, dieser Effekt relativiert den Aufpreis spürbar. Auch für Bauherren mit hohem Anspruch an eine homogene, unauffällige Dachoptik (etwa in Neubaugebieten mit gestalterischen Vorgaben) ist Indach oft die bevorzugte Lösung.
Vorteile: deutlich hochwertigere, ruhigere Optik ohne sichtbare Aufständerung, oft die einzige genehmigungsfähige Lösung in besonders strengen Bebauungsplänen oder bei denkmalgeschützten Ensembles in der Nachbarschaft, und bei Neubau/Sanierung entfällt die parallele Dacheindeckung.
Nachteile: spürbar höhere Kosten, aufwendigere und witterungsabhängigere Montage, eingeschränkte Hinterlüftung, dadurch im Sommer tendenziell etwas geringerer Ertrag pro kWp als bei Aufdach, und bei Defekt eines einzelnen Moduls ist der Austausch aufwendiger, weil die Dachhautfunktion mit betroffen ist. Auch die Auswahl an Herstellern und Modulformaten ist kleiner als bei Aufdach-Systemen.
Indach kostet 1.500 bis 2.300 Euro je kWp, also 10 bis 30 Prozent mehr als Aufdach. Beim Aufschlag nennt der ADAC meist 10 bis 20 Prozent, photovoltaik.info 20 bis 30 Prozent.
Dazu kommt ein kleiner Ertragsverlust durch die schwächere Hinterlüftung: Der ADAC rechnet mit bis zu 5 Prozent, photovoltaik.info mit 5 bis 10 Prozent.
Kosten grob: Rechne mit 1.500 bis 2.300 Euro je kWp; der ADAC nennt zusätzlich 350 bis 550 Euro je Quadratmeter belegter Dachfläche.
Bei Neubau oder ohnehin fälliger Sanierung sinkt der echte Mehraufwand, weil die Eindeckung auf der belegten Fläche entfällt. photovoltaik.info setzt für Betondachsteine 40 bis 70 Euro je Quadratmeter inklusive Lattung und Verlegung an, bei 60 Quadratmetern also 2.400 bis 4.200 Euro, die du gegen den Aufpreis rechnen kannst. Was komplette Solardachziegel-Systeme kosten, steht im Ratgeber Solardachziegel und Indach.

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Freiflächen- und Garten-Anlage: wenn das Dach nicht mitspielt
Eine Freiflächenanlage steht nicht auf dem Dach, sondern auf einer eigenen Unterkonstruktion im Garten oder auf dem Grundstück, meist als Reihen aufgeständerter Module auf Stahl- oder Aluminiumgestellen, seltener auch als Solar-Carport oder überdachte Terrasse mit Doppelfunktion.
Für wen geeignet: für Grundstücke mit ausreichend freier, unverschatteter Fläche (für 5 kWp rechnet Finanztip mit mindestens rund 25 m² reiner Modulfläche; aufgeständerte Reihen brauchen wegen der Abstände mehr Boden) und vor allem für Häuser, deren Dach aus technischen Gründen ungeeignet ist: starke Verschattung, sehr steile oder ungünstig ausgerichtete Dachflächen, ein Dach kurz vor der ohnehin geplanten Sanierung, oder ein denkmalgeschütztes Dach, auf dem keine Module erlaubt sind.
Vorteile: freie Wahl von Neigungswinkel und Ausrichtung unabhängig vom Dach, meist optimal auf Ertrag trimmbar, einfache Wartung und Reinigung vom Boden aus, keine Belastung der Dachkonstruktion, und die Anlage kann bei Bedarf später erweitert oder in Modulen ergänzt werden, ohne das Dach anzufassen.
Nachteile: verbraucht wertvolle Gartenfläche, die dann nicht mehr anderweitig nutzbar ist, benötigt eine eigene, wetterfeste Unterkonstruktion mit Fundament oder Rammpfosten (zusätzliche Kosten gegenüber der reinen Dachmontage), optisch im Garten deutlich präsenter als ein Dach, und je nach Größe und Standort können Genehmigungsfragen dazukommen, die bei einer Dachanlage meist entfallen.
Kosten grob: Nach photovoltaik.info (2026) macht die zusätzliche Unterkonstruktion (Fundament, robusteres Montagesystem, Erdarbeiten) eine Freiflächenanlage im Schnitt 15 bis 25 Prozent teurer als eine vergleichbar große Dachanlage. Im Rechenbeispiel dort stehen für 10 kWp rund 16.800 Euro auf dem Dach gegen rund 19.500 Euro im Garten.
Anmelden musst du die Anlage beim Netzbetreiber wie jede Dachanlage, in der Regel über sein Webportal. Bis 30 kW auf einem Grundstück, das schon einen Netzanschluss hat, muss er dir nach § 8 Abs. 7 EEG spätestens einen Monat nach deiner Anfrage das Ergebnis seiner Netzverträglichkeitsprüfung schicken, zusammen mit einem Zeitplan und einem Kostenvoranschlag für den Anschluss.
Vergütung: Für Garten-Anlagen kennt das EEG eine eigene Regel. Nach § 48 Abs. 1 Nr. 1a EEG wird eine Garten-Anlage vergütet, wenn das Grundstück in einem im Zusammenhang bebauten Ortsteil ohne Bebauungsplan liegt (§ 34 BauGB), darauf ein Wohngebäude steht, die Anlage dessen Grundfläche nicht überschreitet und höchstens 20 Kilowatt hat.
Das Gesetz verlangt zusätzlich, dass sich das Wohngebäude selbst nicht für eine Solaranlage eignet; diese Bedingung bleibt nach § 100 Abs. 21 EEG aber unberücksichtigt, solange die dafür vorgesehene Verordnung des Wirtschaftsministeriums nicht in Kraft ist.
Das Gesetz setzt dafür 7 Cent je kWh an; nach den halbjährlichen Absenkungen weist die Bundesnetzagentur für sonstige Anlagen nach § 48 Abs. 1 bei Inbetriebnahme von August bis Dezember 2026 6,19 Cent aus.
Wer die Bedingungen nicht kennt, plant an dieser Vergütung vorbei.
Balkonkraftwerk / Steckersolar: der niedrigschwellige Einstieg
Ein Balkonkraftwerk, auch Steckersolar-Gerät genannt, besteht aus ein bis zwei Solarmodulen, einem kleinen Wechselrichter und wird einfach in eine normale Steckdose oder eine spezielle Einspeisesteckdose eingesteckt. Bis 960 Watt-Peak Modulleistung reicht dafür ein normgerechter Haushaltsstecker, also mit Schutzhülle oder internem Trennschalter.
Für wen geeignet: vor allem für Mieter und Wohnungseigentümer ohne eigenes Dach, für alle mit kleinem Budget, die unkompliziert in Solarstrom einsteigen wollen, und als Ergänzung für Eigentümer, die (noch) keine große Anlage stemmen wollen oder können.
Aktuelle Rechtslage 2026: § 8 Abs. 5a EEG erlaubt Steckersolargeräte mit zusammen bis zu 2 Kilowatt installierter Leistung und bis zu 800 Voltampere Wechselrichterleistung (800-Watt-Regel).
Die Produktnorm DIN VDE V 0126-95 (laut VDE-Pressemitteilung vom 14. November 2025, angekündigt für Dezember 2025) legt die Einspeiseleistung ebenfalls auf 800 VA fest.
Bis 960 Watt-Peak Modulleistung (800 plus 20 Prozent) darf das Gerät laut Norm mit einem Haushaltsstecker einspeisen. Darüber und bis 2.000 Watt-Peak ist eine Energiesteckvorrichtung vorgeschrieben, etwa nach DIN VDE V 0628-1.
Die Anmeldung ist einfach: Zusätzliche Meldungen darf der Netzbetreiber nach § 8 Abs. 5a EEG nicht verlangen. Registrieren musst du das Gerät aber im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, und zwar innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme (§ 5 Abs. 5 MaStRV, ebenso der ADAC).
Vorteile: niedrigste Einstiegskosten aller Anlagentypen, keine Baumaßnahme, und ein Rechtsanspruch: Mieter brauchen zwar die Erlaubnis des Vermieters, können sie nach § 554 BGB aber verlangen, außer es ist ihm nicht zumutbar; Wohnungseigentümer haben denselben Anspruch nach § 20 Abs. 2 Nr. 5 WEG, über die Ausführung beschließt die Gemeinschaft. Dazu kommt ein schneller erster Kontakt mit eigener Stromerzeugung.
Als Vertriebsweg hat sich neben dem Elektro-Fachhandel auch der reine Online-Handel etabliert, etwa über Anbieter wie priwatt, die steckerfertige Sets zur Selbstmontage verkaufen.
Nachteile, und hier gehört Ehrlichkeit dazu: Ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt Einspeiseleistung deckt in der Realität nur einen kleinen Teil des Haushaltsstromverbrauchs ab:
Nach eigenen Berechnungen von Finanztip (Stand November 2025) sind das oft 10 bis 20 Prozent des eigenen Strombedarfs, wie viel genau, hängt stark von Ausrichtung, Verschattung und davon ab, wie gut die Erzeugung mit dem tatsächlichen Verbrauch zeitlich zusammenfällt. Es ist ein sinnvoller Einstieg, aber kein Ersatz für eine Dachanlage, wenn dein Ziel eine spürbare Reduktion der Stromrechnung oder gar weitgehende Unabhängigkeit ist.
Kosten grob: Ein 800-Watt-Standardset kostet laut ADAC (August 2026) 250 bis 500 Euro, mit Speicher 700 bis 1.400 Euro. Finanztip nennt für zwei Module mit rund 900 Watt-Peak 340 bis 440 Euro. Amortisiert hat sich ein Set laut ADAC meist nach 3 bis 5 Jahren.
Kurz zusammengefasst: Balkonkraftwerk ja, aber mit realistischen Erwartungen. Wer unsicher ist, ob 800 Watt reichen oder ob sich eine größere Lösung mehr lohnt, sollte beide Varianten nebeneinander durchrechnen, bevor er sich festlegt, dafür lohnt sich ein Blick in unseren Ratgeber PV-Wirtschaftlichkeit.
Flachdach, Fassade und Carport: drei Sonderformen
Auf dem Flachdach werden Module aufgeständert, entweder nach Süden oder flach in Ost-West-Richtung. Wie viel Ballast das braucht, steht im Ratgeber PV auf dem Flachdach, den Ertragsunterschied von Ost-West gegen Süd im Ratgeber Ost-West-Ausrichtung.
An der Fassade bringt PV laut Fraunhofer ISE rund 29 Prozent weniger Jahresertrag als auf einem Süddach mit 45 Grad Neigung; dasselbe gilt für senkrecht am Balkon montierte Steckersolargeräte. Kosten und Genehmigung eines Solar-Carports stehen im Ratgeber Solar-Carport.
Abgrenzung: Solarthermie ist kein PV-Anlagentyp
Solarthermie erzeugt keinen Strom, sondern Wärme: Kollektoren erhitzen eine Trägerflüssigkeit, die Trinkwasser oder Heizung unterstützt. Photovoltaik wandelt Licht in Strom; kommerzielle Module erreichten 2025 laut Fraunhofer ISE knapp 23 Prozent Wirkungsgrad, also 230 Watt je Quadratmeter Modulfläche.
Wer Strom- und Heizkosten zugleich senken will, findet die Kombination mit einer Wärmepumpe im Ratgeber PV und Wärmepumpe.
Der Dach-Check: so ordnest du dein Dach in 5 Minuten selbst ein
Bevor überhaupt ein Solarteur bei dir vorbeikommt, kannst du mit ein paar einfachen Beobachtungen schon grob einschätzen, in welche Richtung es bei dir geht.
Steh im Garten oder schau auf eine Kartenansicht (z. B. Google Maps Satellit) und beurteile, ob dein Dach überwiegend nach Süden, Osten oder Westen zeigt. Die Ausrichtung wirkt sich messbar auf den Ertrag aus:
Laut der Studie „Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland" des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) liefert ein Westdach mit 45 Grad Neigung rund 26 Prozent weniger Jahresertrag als ein gleich geneigtes Süddach; eine senkrechte Südfassade kommt sogar auf rund 29 Prozent weniger Ertrag als ein 45-Grad-Süddach.
Reine Nordausrichtung ohne weitere Dachflächen ist ein starkes Indiz für "Dach ungeeignet, Freifläche prüfen". Als grobe Faustzahl für die Wirtschaftlichkeitsrechnung gilt außerdem: Neu geplante PV-Anlagen erreichen laut Fraunhofer ISE eine Performance Ratio, das Verhältnis von tatsächlichem zu rechnerisch idealem Ertrag, von 80 bis 90 Prozent im Jahresmittel bei neuen, sorgfältig geplanten Anlagen.
Schau dir dein Dach morgens, mittags und abends an, wie viel Schatten werfen Bäume, Nachbarhäuser oder Schornsteine wirklich? Wenn große Teile der Fläche mehrere Stunden am Tag verschattet sind, sinkt der Ertrag deutlich, und eine Freiflächenanlage an unverschatteter Stelle im Garten kann die bessere Wahl sein.
Die Verbraucherzentrale nennt eine stabile, asbestfreie Dachdeckung als Bedingung. Weil Module 25 bis 30 Jahre auf dem Dach bleiben, lohnt bei älterer Eindeckung oder einzelnen kaputten Ziegeln die Frage, ob demnächst ohnehin eine Sanierung ansteht. Falls ja, wird Indach interessant, weil die Eindeckung auf der belegten Fläche entfällt. Ist das Dach in gutem Zustand, bleibt Aufdach die günstigere Wahl.
Diese Selbsteinschätzung ersetzt keine fachliche Dachaufnahme vor Ort, gibt dir aber schon vor dem ersten Beratungsgespräch eine realistische Richtung, in die du denken solltest.
Kosten im direkten Vergleich: was ein kWp wirklich kostet
Damit du die Größenordnungen noch einmal kompakt vor Augen hast, hier alle vier Typen mit Kosten pro kWp beziehungsweise pro Set, plus der wichtigsten Einschränkung im Alltag.
| Anlagentyp | Kosten pro kWp / Set | Typische Größe | Größte Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Aufdach | 1.000–2.000 €/kWp | rund 3–20 kWp (Hausanlage) | Optisch "aufgesetzt" sichtbar |
| Indach | 1.500–2.300 €/kWp | rund 3–20 kWp (Hausanlage) | Deutlich höherer Preis, weniger Hersteller-Auswahl |
| Freifläche/Garten | 15–25 % über Dachanlage | je nach Gartenfläche | Flächenverbrauch, ggf. Genehmigung |
| Balkonkraftwerk | 250–500 € je 800-W-Set | bis 2.000 Wp Module, 800 VA Einspeisung | Deckt nur einen Teil des Verbrauchs |
Die typische Größe einer Hausanlage von rund 3 bis 20 Kilowatt nennt die Verbraucherzentrale; welche Größe zu deinem Verbrauch passt, steht im Ratgeber Anlagengröße berechnen. Region und Auftragslage der Betriebe vor Ort verschieben die Werte. Wie man ein Angebot Zeile für Zeile prüft, steht im Ratgeber PV-Kosten 2026.

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Speicher, Förderung und Wirtschaftlichkeit: was noch dazukommt
Egal für welchen Anlagentyp du dich entscheidest, die Frage nach einem Batteriespeicher, nach Förderungen und nach der realen Wirtschaftlichkeit stellt sich am Ende immer gleich. Ein Speicher lässt sich technisch an Aufdach-, Indach- und Freiflächenanlagen gleichermaßen anschließen, bei Balkonkraftwerken gibt es mittlerweile ebenfalls kleine, speziell dafür ausgelegte Mini-Speicher, deren Wirtschaftlichkeit aber stark vom Einzelfall abhängt.
Beim Speicher lohnt ein Blick auf zwei Gerätewerte.
Der Stand-by-Verbrauch streut in den Labormessungen der Stromspeicher-Inspektion 2026 zwischen 4 und 64 Watt, und die garantierte Restkapazität am Ende des Garantiezeitraums zwischen 60 und 85 Prozent des Anfangswerts (HTW Berlin / aquu, Stromspeicher-Inspektion 2026).
Beide Werte hängen am Gerät, nicht am Anlagentyp, und der Stand-by fällt rund um die Uhr an, unabhängig davon, wie groß du den Speicher wählst.
Dazu kommt die Vergütung für den Strom, den du nicht selbst nutzt: Für Dachanlagen bis 10 kWp mit Teileinspeisung zahlt der Netzbetreiber bei Inbetriebnahme vom 1. August bis 31. Dezember 2026 7,70 Cent je kWh, bei Volleinspeisung 12,22 Cent (Bundesnetzagentur). Diese Sätze beruhen auf dem EEG 2023, das laut Bundesnetzagentur nur bis 31. Dezember 2026 anwendbar ist; was eine Inbetriebnahme 2027 bedeutet, steht im Ratgeber Förderung 2027. Das gilt für Aufdach und Indach gleichermaßen; für Anlagen im Garten gelten eigene Regeln (siehe Freifläche oben).
Ob sich ein Speicher für dich lohnt und welche Größe realistisch passt, haben wir getrennt aufgearbeitet in Speicher im Vergleich. Aktuelle Förderprogramme und rechtliche Rahmenbedingungen, etwa zur Anmeldung, zum Denkmalschutz oder zu kommunalen Auflagen bei Freiflächenanlagen, findest du gebündelt unter Förderung und Recht.
So findest du in 3 Schritten deinen Anlagentyp
Nutze die Vergleichstabelle oben in diesem Artikel, um dich anhand von Wohnsituation (Eigentum/Miete), Budget und Grundstück grob einem oder zwei Typen zuzuordnen.
Führe den Dach-Check aus dem Abschnitt weiter oben durch, Ausrichtung, Verschattung, Zustand der Eindeckung. Das schließt meist schon einen oder zwei Typen aus.
Erst mit einer echten Vor-Ort-Einschätzung durch einen Fachbetrieb wird aus der groben Einordnung eine belastbare Entscheidung. Vergleiche dafür mehrere Angebote statt eines einzelnen.
Eine Größenschwelle solltest du dabei kennen, weil sie über eine vierstellige Position im Angebot entscheidet: Nach § 8 Absatz 1 EEG gilt bei Anlagen mit zusammen höchstens 30 Kilowatt auf einem Grundstück, das schon einen Netzanschluss hat, dieser bestehende Anschluss als günstigster Verknüpfungspunkt. Weist er dir trotzdem einen anderen Anschlusspunkt zu, trägt er nach § 16 Abs. 2 EEG die Mehrkosten.
Zwischen 30 und 100 Kilowatt gilt dasselbe nach § 8 Absatz 6a EEG, allerdings nur, solange die insgesamt installierte Leistung die Kapazität des vorhandenen Anschlusses nicht übersteigt. Für ein Einfamilienhaus ist das praktisch immer erfüllt; wer über eine große Dach- plus Freiflächenkombination nachdenkt, sollte hier genau rechnen.
Diese Checkliste fasst zusammen, was vor der endgültigen Entscheidung geklärt sein sollte:
✅ Ihre Checkliste für: So findest du in 3 Schritten deinen Anlagentyp
Wenn du nach diesen drei Schritten immer noch zwischen zwei Typen schwankst, etwa zwischen einer kleinen Aufdach-Anlage und einer größeren Freiflächenlösung, lohnt sich am meisten ein direkter Vergleich mehrerer Angebote von Fachbetrieben, die beide Varianten ehrlich durchrechnen, statt nur die für sie bequemere Lösung anzubieten.

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Typische Fehler bei der Wahl des Anlagentyps
Vier Fehler tauchen bei der Wahl des Anlagentyps besonders häufig auf, und alle vier lassen sich, einmal gebaut, nur teuer korrigieren:
Der erste ist bereits beschrieben: Indach aus reinen Kostengründen wählen, ohne den tatsächlichen Aufpreis zu kennen.
Der zweite: ein Balkonkraftwerk als vollwertigen Ersatz für eine Dachanlage betrachten, obwohl ein eigenes, geeignetes Dach vorhanden wäre. Die Größenordnungen liegen weit auseinander, § 8 Absatz 5a EEG begrenzt Steckersolargeräte auf zusammen 2 Kilowatt installierte Leistung und 800 Voltampere Wechselrichterleistung, während eine typische Dachanlage im Einfamilienhaus ein Vielfaches davon leistet. Ein Balkonkraftwerk ersetzt kein Dach, es überbrückt eine Situation, in der keins zur Verfügung steht.
Der dritte, etwas seltenere Fehler: eine Freiflächenanlage planen und bauen, ohne vorher beim Bauamt nachzufragen, und danach feststellen, dass Höhe oder Standort nicht zulässig waren.
Wer die Vergütungsregel für Garten-Anlagen nicht kennt (siehe Freifläche oben), plant zudem an der Einspeisevergütung vorbei. Der vierte: sich für den erstbesten Anbieter zu entscheiden, ohne den Anlagentyp überhaupt mit einem zweiten Betrieb gegenzuprüfen, der vielleicht eine andere, besser passende Lösung vorschlägt.
Wenn du direkt mehrere geprüfte Solarteure aus deiner Region gegenüberstellen willst, findest du dafür unseren Anbieter-Test und die Übersicht unter Solarteure in deiner Region. Für eine erste grobe Ertrags- und Kostenschätzung ohne Beratungsgespräch nutze unseren PV-Rechner.
Häufige Fragen
Welcher PV-Anlagentyp ist der Standard für Einfamilienhäuser? +
Wie viel teurer ist eine Indach-Anlage im Vergleich zur Aufdach-Montage? +
Brauche ich für eine Freiflächenanlage im eigenen Garten eine Baugenehmigung? +
Wie viel Strom liefert ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt wirklich? +
Muss ich mein Balkonkraftwerk 2026 noch anmelden? +
Kann ich mehrere Anlagentypen miteinander kombinieren? +
Was ist der Unterschied zwischen netzgekoppelter Anlage, Inselanlage und Hybridanlage? +
Gehören monokristalline Module oder Dünnschicht auch zu den Anlagentypen? +
Ist Solarthermie eine Alternative zu Photovoltaik? +
Was kostet ein Balkonkraftwerk und lohnt es sich finanziell? +
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