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Solarthermie oder Photovoltaik: was 2026 aufs Dach gehört

Solarthermie erzeugt Wärme, Photovoltaik Strom – und beides passt selten auf dasselbe Dach. So rechnest du durch, was ein Quadratmeter wirklich bringt, und wann die alte Standardantwort nicht mehr stimmt.

⏱️ 12 Lesezeit📅 September 2026
JK
Jan Kotzorek·Redaktion Solarliebhaber.de·Veröffentlicht am 05. September 2026 · zuletzt geprüft am 10. September 2026
Ziegeldach eines Einfamilienhauses mit zwei dunklen Solarthermie-Kollektoren neben einer größeren Photovoltaikanlage.

Beide Techniken konkurrieren um dieselbe Dachfläche, deshalb zählt, was ein Quadratmeter wirklich bringt. · KI-generierte Illustration

Inhaltsverzeichnis · 9 Abschnitte
  1. 1.Solarthermie oder Photovoltaik: der Unterschied im Kern
  2. 2.Warum sich die Antwort verschoben hat: Photovoltaik-Preise im freien Fall
  3. 3.Die Flächenkonkurrenz: was ein Quadratmeter wirklich bringt
  4. 4.Photovoltaik und Solarthermie in Euro: der Rechenvergleich
  5. 5.Wann Solarthermie trotzdem die bessere Wahl ist
  6. 6.Förderung für Solarthermie und Photovoltaik: zwei komplett unterschiedliche Wege
  7. 7.PVT-Hybridkollektoren: Strom und Wärme von derselben Fläche
  8. 8.Solarthermie oder Photovoltaik: die Checkliste für deine Entscheidung
  9. 9.Häufige Fragen

Die Entscheidung wirkt wie eine Glaubensfrage, ist aber eine Rechenaufgabe. Solarthermie erzeugt Wärme, Photovoltaik erzeugt Strom, und Solarthermie schafft das je Quadratmeter Kollektorfläche mit einem höheren Ertrag. Trotzdem landet die passende Antwort seit ein paar Jahren immer öfter bei Photovoltaik – aus Gründen, die mit dem Wirkungsgrad wenig zu tun haben.

Dieser Ratgeber rechnet beide Techniken auf denselben Quadratmeter Dachfläche herunter, zeigt die Förderwege getrennt und benennt, wo Solarthermie trotzdem die bessere Wahl bleibt. Stand: 05.09.2026, Quellen zuletzt abgerufen 05.09.2026.

Solarthermie oder Photovoltaik: der Unterschied im Kern

Photovoltaik wandelt Sonnenlicht über Solarzellen direkt in elektrischen Strom um. Solarthermie erhitzt über schwarze Absorberflächen ein Wasser-Glykol-Gemisch und liefert damit Wärme fürs Duschwasser oder die Heizung. Beide Techniken sitzen auf demselben Dach und konkurrieren um dieselbe Fläche.

Je Quadratmeter liefert Solarthermie mehr Kilowattstunden als Photovoltaik – allerdings Wärme gegen Strom und damit nicht dieselbe Ware; mit einer Wärmepumpe dahinter dreht sich das Verhältnis um. Eigene Berechnung (PVGIS, Fraunhofer-Wirkungsgrad) und co2online-Beispielrechnungen. · Eigene Grafik nach PVGIS-Berechnung (Berlin, Sued, 35 Grad, Direktabruf 05.09.2026), Fraunhofer ISE Photovoltaics Report (Modulwirkungsgrad) und co2online-Beispielrechnungen zum Solarthermie-Ertrag, Direktabruf 05.09.2026Seitlich wischen oder antippen zum Vergrößern

Bei der reinen Umwandlungseffizienz liegt Solarthermie vorn. Handelsübliche Photovoltaik-Module haben sich laut Fraunhofer ISE in den letzten zehn Jahren von rund 17 auf knapp 25 Prozent Wirkungsgrad verbessert – der Rest der eintreffenden Sonnenenergie geht als Wärme oder Reflexion verloren.

Ein Kollektor verliert weniger. Wie groß der Abstand sein kann, hat das Fraunhofer ISE an einem photovoltaisch-thermischen (PVT) Modul von Sunmaxx unabhängig gemessen: 20 Prozent elektrischer und 60 Prozent thermischer Wirkungsgrad (Eta0), zusammen 80 Prozent Gesamtwirkungsgrad unter Standardbedingungen, wie pv magazine berichtete. Das ist ein einzelnes vermessenes Produkt, kein Marktdurchschnitt – zeigt aber die Größenordnung: Wärme lässt sich aus derselben Sonneneinstrahlung effizienter gewinnen als Strom.

💡 Prüfe den Eta0-Wert im Angebot. Seriöse Solarthermie-Angebote nennen den optischen Kollektorwirkungsgrad (Eta0) aus dem Solar-Keymark-Prüfdatenblatt. Fehlt diese Zahl im Angebot, frag gezielt danach – ohne sie lässt sich kein realistischer Jahresertrag abschätzen.

Nachteil von Solarthermie: Der höhere Wirkungsgrad hilft wenig, weil sich Wärme schlecht speichern und gar nicht einspeisen lässt. Ein Pufferspeicher hält die Energie Stunden bis wenige Tage, danach ist sie verloren. Überschüssiger Solarstrom dagegen wandert ins Netz und bringt wenigstens die Einspeisevergütung von 7,70 Cent je Kilowattstunde.

Waerme laesst sich aus derselben Einstrahlung effizienter ernten als Strom — das ist der Ausgangspunkt der ganzen Abwaegung. · Eigene Grafik nach Fraunhofer ISE zu Modulwirkungsgraden und der unabhaengigen ISE-Messung eines PVT-Moduls, berichtet bei pv magazine, Direktabruf 05.09.2026Seitlich wischen oder antippen zum Vergrößern

Warum sich die Antwort verschoben hat: Photovoltaik-Preise im freien Fall

Vor 15 Jahren war Solarthermie für Warmwasser oft die günstigere Wahl. Das hat sich mit den Modulpreisen verschoben, nicht mit dem Wirkungsgrad.

Laut Fraunhofer ISE kostete ein typisches 10-bis-100-kWp-Dachsystem in Deutschland 1990 rund 14.000 Euro pro kWp. Ende 2025 lag der Preis bei unter 8 Prozent dieses Werts – eine jährliche Kostensenkung (CAGR) von etwa minus 7 Prozent über 35 Jahre. Ein kleines 10-kWp-Dachsystem kostet Ende 2025 zwischen 900 und 1.500 Euro pro kWp.

Der Grund liegt in der Lernkurve der Fertigung: Mit jeder Verdopplung der weltweit kumulierten Modulproduktion sank der Modulpreis in den letzten 45 Jahren um rund 26,7 Prozent. 2025 lag der globale Durchschnittspreis bei etwa 0,10 US-Dollar je Watt.

Solarkollektoren haben diese Kurve nicht mitgemacht. Laut co2online sind die Preise für Solarkollektoren in den letzten Jahren weitgehend stabil geblieben: 300 bis 500 Euro je Quadratmeter für Flachkollektoren, 600 bis 800 Euro für Vakuumröhrenkollektoren.

⚠️ Der Markt bestätigt den Trend, beide schrumpfen aber gerade. Nach Zahlen des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar), zitiert von pv magazine, ist der Heimsegment-Markt 2025 bei Solarthermie um 46 Prozent eingebrochen, bei Photovoltaik um 29 Prozent. Beide Zahlen stammen vom Verband der Solarbranche selbst und sind entsprechend zu lesen – sie zeigen aber, dass keine der beiden Technologien 2025 einen Boom erlebt hat.

Eine zweite Erhebung kommt auf eine andere Zahl. Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie zählt nicht das Heimsegment, sondern die insgesamt abgesetzte Kollektorfläche: 2025 waren das 151.500 Quadratmeter, ein Minus von 30 Prozent (Dokumentstand 31. Januar 2026). BSW-Solar meldet für sein Heimsegment minus 46 Prozent, der BDH für den Gesamtabsatz minus 30 Prozent – zwei Abgrenzungen, ein Trend.

Die Größenordnung wird erst im Vergleich sichtbar: In dieselben zwölf Monate fällt nach den Zeitreihen des Umweltbundesamts (Tabellenwerk mit Stand Februar 2026) ein Photovoltaik-Zubau von 17.589 Megawatt – bei den oben gerechneten rund 5 Quadratmetern je Kilowatt-Peak sind das etwa 88 Millionen Quadratmeter Modulfläche. Auf einen Quadratmeter neue Solarthermie kommen damit rund 580 Quadratmeter neue Photovoltaik (eigene Rechnung aus beiden Quellen).

Dasselbe Bild zeichnet das investierte Geld. In der Investitionstabelle desselben Tabellenwerks steht die Solarthermie für 2025 bei 170 Millionen Euro; 2008 waren es 1.700 Millionen, also das Zehnfache, und die Photovoltaik liegt im selben Jahr bei 15.010 Millionen Euro.

Das Umweltbundesamt hält dazu fest, dass wegen des geringen Zubaus künftig von einem schwindenden Anlagenbestand und weniger solarer Wärme auszugehen ist. Das ist kein Qualitätsurteil über die Technik, aber ein Hinweis auf das Umfeld: Wer 2026 Solarthermie aufs Dach legt, sollte vorher klären, welcher Betrieb die Anlage in zehn Jahren noch wartet und woher dann Kollektoren und Reglerteile kommen.

Für dich heißt das: Die Fläche, für die früher fast automatisch Solarthermie gebaut wurde – Warmwasser für vier Personen –, lässt sich heute oft günstiger mit einer kleinen Photovoltaik-Anlage plus Wärmepumpe abdecken. Was die Anlage insgesamt kostet, hängt aber stark vom Einzelfall ab – die aktuellen Preisspannen findest du in unserem Kostenüberblick.

Verschoben hat sich nicht der Wirkungsgrad, sondern der Preis — und nur auf einer der beiden Seiten. · Eigene Grafik nach Fraunhofer ISE zur Preisentwicklung von Photovoltaik-Dachsystemen und co2online zu Kollektorpreisen, Direktabruf 05.09.2026Seitlich wischen oder antippen zum Vergrößern

Die Flächenkonkurrenz: was ein Quadratmeter wirklich bringt

Auf den meisten Einfamilienhäusern reicht die Dachfläche nicht für beides in voller Größe. Deshalb lohnt sich die Rechnung auf denselben Quadratmeter heruntergebrochen.

Für Photovoltaik: Bei rund 20 Prozent Modulwirkungsgrad braucht ein Kilowatt-Peak (kWp) etwa 5 Quadratmeter Dachfläche (1.000 Watt geteilt durch 200 Watt je Quadratmeter bei voller Einstrahlung – eigene Rechnung aus den Fraunhofer-Wirkungsgradwerten). Mit einer eigenen PVGIS-Berechnung für Berlin, Südausrichtung, 35 Grad Neigung ergeben sich 1.055,7 Kilowattstunden Jahresertrag je kWp. Heruntergebrochen auf die Fläche sind das rund 211 Kilowattstunden Strom pro Quadratmeter und Jahr.

Für Solarthermie: co2online rechnet für ein Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern Wohnfläche und vier Personen zwei Beispiele durch. Eine reine Warmwasseranlage mit 6 Quadratmetern Flachkollektoren liefert 1.800 Kilowattstunden Wärme im Jahr, also 300 Kilowattstunden je Quadratmeter – und deckt bis zu 60 Prozent des Warmwasserbedarfs. Eine Kombianlage mit 8 Quadratmetern Röhrenkollektoren für Heizung und Warmwasser liefert 3.360 Kilowattstunden im Jahr, also 420 Kilowattstunden je Quadratmeter, und deckt 20 bis 30 Prozent des gesamten Wärmebedarfs.

Pro Quadratmeter stehen damit 300 bis 420 Kilowattstunden Wärme gegen 211 Kilowattstunden Strom. Genau dieses Verhältnis zeigt die Grafik unten – und genau hier hört der Vergleich in den meisten Ratgebern auf.

Wärme und Strom sind aber nicht dieselbe Ware. Aus einer Kilowattstunde Strom macht eine Wärmepumpe mehrere Kilowattstunden Wärme.

Das Fraunhofer ISE hat dafür vier Jahre lang 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern der Baujahre 1826 bis 2001 vermessen (Presseinformation vom 3. November 2025): Luft/Wasser-Geräte erreichten im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4 bei einer Bandbreite von 2,6 bis 4,9, erdgekoppelte Anlagen im Mittel 4,3.

Auf denselben Quadratmeter heruntergerechnet: 211 Kilowattstunden Strom mal 3,4 ergeben rund 717 Kilowattstunden Wärme im Jahr – gegen 300 bis 420 Kilowattstunden aus der Solarthermie. Selbst mit der schwächsten der 77 vermessenen Anlagen (Jahresarbeitszahl 2,6) bleiben rund 549 Kilowattstunden. Der Flächenvorteil der Solarthermie kippt also in dem Moment, in dem eine Wärmepumpe im Haus steht oder eingeplant ist.

Zwei Einschränkungen gehören zu dieser Rechnung. Ohne Wärmepumpe gilt sie nicht: Ein Heizstab macht aus einer Kilowattstunde Strom genau eine Kilowattstunde Wärme, und dann liegt die Solarthermie wieder vorn. Und die Zeitprofile sind verschieden – die Photovoltaik liefert im Dezember und Januar am wenigsten, also genau dann, wenn die Heizlast am höchsten ist. Der Sommerstrom lässt sich nicht in den Winter verschieben, er wird eingespeist, und im Winter kommt Netzstrom zurück. Die Solarthermie hat dieselbe Winterlücke, nur ohne Netz als Ausgleich.

1 Schritt 1: Warmwasserbedarf auf der Heizkostenabrechnung finden

Schau auf deiner Heizkostenabrechnung nach dem separat ausgewiesenen Warmwasseranteil. Ohne diese Zahl lässt sich die passende Kollektorfläche nicht seriös bestimmen.

2 Schritt 2: Verfügbare Dachfläche und Verschattung prüfen

Miss die nutzbare Süd-, Ost- oder Westfläche und achte auf Verschattung durch Nachbargebäude, Bäume oder Dachgauben – beide Techniken verlieren dadurch überproportional Ertrag.

3 Schritt 3: Aufteilung rechnen

Trag beide Flächenbedarfe (rund 5 m² je kWp Photovoltaik, 4 bis 8 m² für Solarthermie je nach Ausbaustufe) in deinen Dachplan ein und vergleiche, was übrig bleibt.

Erfahrungsgemäß unterschätzen Hausbesitzer in der Planung, wie schnell 5 Quadratmeter Solarthermie plus eine 8-kWp-Photovoltaik-Anlage (rund 40 Quadratmeter) die komplette Südseite eines normalen Einfamilienhausdachs beanspruchen. Häufigster Fehler in der Praxis: Beide Anlagen werden zuerst grob geplant und erst danach auf die tatsächliche Dachfläche geprüft – richtig ist die umgekehrte Reihenfolge.

KennzahlPhotovoltaikSolarthermie (Warmwasser)Solarthermie (Heizung + Warmwasser)
Flächenbedarf~5 m² je kWp4–6 m²bis 15 m²
Jahresertrag je m²~211 kWh Strom~300 kWh Wärme~420 kWh Wärme
Deckungsgradabhängig vom Eigenverbrauchbis 60 % Warmwasser20–30 % Gesamtwärme
Speicherbarnur mit BatteriespeicherStunden bis TageStunden bis Tage
Einspeisefähigja, EEG-Vergütungneinnein

Photovoltaik und Solarthermie in Euro: der Rechenvergleich

Kilowattstunden lassen sich erst vergleichen, wenn ein Preis dranhängt. Der Haushaltsstrompreis liegt laut BDEW-Strompreisanalyse 2026 bei durchschnittlich 37,0 Cent je Kilowattstunde. Der Gaspreis für Einfamilienhäuser liegt laut BDEW-Gaspreisanalyse 2026 bei 11,93 Cent je Kilowattstunde.

Photovoltaik: 211 Kilowattstunden Strom je Quadratmeter sind bei vollständigem Eigenverbrauch (ersparter Strombezug zu 37,0 Cent) rund 78 Euro je Quadratmeter im Jahr wert. Wird der Strom komplett eingespeist (7,70 Cent Vergütung), sind es nur rund 16 Euro. In der Praxis liegt der reale Wert dazwischen, weil ohne Speicher meist nur ein Teil selbst verbraucht wird.

Solarthermie: 300 Kilowattstunden Wärme je Quadratmeter (Warmwasseranlage) ersetzen Gas zu 11,93 Cent, macht rund 36 Euro je Quadratmeter im Jahr. Die Kombianlage mit 420 Kilowattstunden je Quadratmeter kommt auf rund 50 Euro je Quadratmeter im Jahr.

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SzenarioErtrag je m²/JahrPreisankerWert je m²/Jahr
PV, volle Einspeisung211 kWh Strom7,70 ct/kWh (EEG)~16 €
PV, voller Eigenverbrauch211 kWh Strom37,0 ct/kWh (BDEW)~78 €
Solarthermie Warmwasser300 kWh Wärme11,93 ct/kWh (Gas, BDEW)~36 €
Solarthermie Heizung+WW420 kWh Wärme11,93 ct/kWh (Gas, BDEW)~50 €

Die Spanne zeigt: Ohne Speicher und mit viel Einspeisung schlägt Solarthermie die Photovoltaik pro Quadratmeter sogar in Euro. Mit hohem Eigenverbrauch – etwa durch eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto – dreht sich das Bild. Wer beides realistisch gegenrechnen will, sollte deshalb zuerst den eigenen Verbrauch kennen, nicht die Technik.

Dieselbe Strommenge ist je nach Verwendung das Fuenffache wert — der reale Fall liegt dazwischen. · Eigene Umrechnung aus eigener PVGIS-Berechnung, den co2online-Beispielanlagen sowie den BDEW-Strom- und Gaspreisanalysen 2026, Direktabruf 05.09.2026Seitlich wischen oder antippen zum Vergrößern

Wann Solarthermie trotzdem die bessere Wahl ist

Ein Ratgeber, der nur eine Technik empfiehlt, ist wertlos. Die Verbraucherzentrale nennt konkrete Fälle, in denen Solarthermie vorn liegt.

✅ Ihre Checkliste für: Wann Solarthermie trotzdem die bessere Wahl ist

Kritikpunkt an Photovoltaik: Ohne Batteriespeicher liegt der Eigenverbrauchsanteil eines durchschnittlichen Haushalts erfahrungsgemäß nur bei 25 bis 35 Prozent – der große Rest wandert zur niedrigen Einspeisevergütung ins Netz. Das drückt den in der Tabelle oben gezeigten Euro-Wert pro Quadratmeter erheblich nach unten, wenn kein Speicher und keine flexible Last wie Wärmepumpe oder Wallbox vorhanden sind.

💡 Prüfe zuerst die Heizungsanlage, dann die Fläche. Eine Fußbodenheizung mit niedriger Vorlauftemperatur nutzt Solarwärme deutlich besser als ein altes Hochtemperatur-Heizkörpersystem. Das gehört als erste Frage vor jede Flächenrechnung.

Für eine grundsätzliche Übersicht, welche Photovoltaik-Bauform überhaupt infrage kommt, hilft unser Überblick zu den PV-Anlagentypen. Wie groß eine Photovoltaik-Anlage sinnvollerweise ausfällt, rechnet der Ratgeber Anlagengröße berechnen im Detail vor.

Förderung für Solarthermie und Photovoltaik: zwei komplett unterschiedliche Wege

Bei der Förderung trennen sich die Wege endgültig: Photovoltaik läuft über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), Solarthermie über die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

Für Photovoltaik gibt es keinen Kaufzuschuss. Stattdessen zahlt der Netzbetreiber laut Bundesnetzagentur für Anlagen bis 10 Kilowatt aktuell 7,70 Cent je Kilowattstunde eingespeisten Überschussstrom oder 12,22 Cent bei Volleinspeisung – garantiert für 20 Jahre plus Inbetriebnahmejahr. Details zu Fristen und weiteren EEG-Regeln stehen in unserem Ratgeber Förderung & Recht.

Für Solarthermie gilt das Gegenteil: ein Investitionszuschuss vorab, keine laufende Vergütung. Laut der offiziellen BAFA-Förderübersicht zur BEG Einzelmaßnahmen (Stand 1. März 2025) gibt es 30 Prozent Grundförderung für solarthermische Anlagen zur Wärmeerzeugung. Wird gleichzeitig ein zweiter erneuerbarer Wärmeerzeuger wie eine Wärmepumpe eingebaut, kommt ein Klimageschwindigkeitsbonus von maximal 20 Prozent hinzu, für Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen unter 40.000 Euro zusätzlich ein Einkommensbonus von 30 Prozent – gedeckelt auf insgesamt 70 Prozent.

Der Bundesverband Solarwirtschaft bestätigt diese Sätze und weist als Verband zusätzlich darauf hin: Wer eine bestehende fossile Heizung nur um Solarthermie ergänzt, ohne den Wärmeerzeuger selbst zu tauschen, kommt maximal auf 60 Prozent, weil der Klimageschwindigkeitsbonus dann entfällt.

MerkmalPhotovoltaik (EEG)Solarthermie (BEG EM)
FörderartEinspeisevergütung, laufendInvestitionszuschuss, einmalig
Höhe7,70 / 12,22 ct/kWh30 % Grundförderung + Boni
Bindung20 Jahre + Inbetriebnahmejahrkeine laufende Bindung
AntragswegMarktstammdatenregister, NetzbetreiberBAFA / KfW vor Baubeginn
⚠️ Erfinde dir keine Förderquote. Ob und wie viel Förderung im Einzelfall greift, hängt vom genauen Bauvorhaben, dem Einkommen und dem Zeitpunkt der Antragstellung ab. Der Bundesverband Solarwirtschaft fordert laut pv magazine aktuell sogar, die gedeckelten 30.000 Euro förderfähige Kosten für Hybridsysteme anzuheben – ein Hinweis darauf, dass sich diese Werte noch ändern können. Prüfe die aktuellen Sätze vor Vertragsunterschrift direkt bei BAFA oder KfW.
Zuschuss vorab gegen Verguetung ueber 20 Jahre — die beiden Wege lassen sich nicht gegeneinander aufrechnen. · Eigene Grafik nach der BAFA-Foerderuebersicht zur BEG Einzelmassnahmen (Stand 1. Maerz 2025) und den Verguetungssaetzen der Bundesnetzagentur, Direktabruf 05.09.2026Seitlich wischen oder antippen zum Vergrößern

PVT-Hybridkollektoren: Strom und Wärme von derselben Fläche

Wer sich zwischen Solarthermie und Photovoltaik nicht entscheiden will, kann auf photovoltaisch-thermische (PVT) Kollektoren ausweichen. Sie vereinen ein Photovoltaik-Modul und einen Solarthermie-Kollektor in einem Bauteil und lösen laut Verbraucherzentrale die Flächenkonkurrenz auf, weil dieselbe Fläche gleichzeitig Strom und Wärme liefert.

Der Markt ist jung. Die neue Marktübersicht von C.A.R.M.E.N. e.V., einem bayerischen Fach- und Kompetenzzentrum, listet mit Stand April 2026 rund 20 am deutschen Markt verfügbare PVT-Systeme. Das eingangs erwähnte, von Fraunhofer ISE unabhängig gemessene PVT-Modul PX-1 von Sunmaxx erreicht 80 Prozent Gesamtwirkungsgrad – ein Beleg dafür, dass die Technik funktioniert, aber ein einzelnes Produkt, kein Marktdurchschnitt.

Laut Verbraucherzentrale liegen die Gesamtinvestitionskosten für PVT bei rund 2.000 Euro je kWp, zuzüglich der Kosten für eine Wärmepumpe. Anders als reine Photovoltaik-Module lassen sich PVT-Kollektoren zum Teil über die BEG fördern, weil sie auch Wärme erzeugen.

💡 Vergleiche PVT nicht nur nach dem Preis. Frag im Angebot ausdrücklich nach unabhängig gemessenen Wirkungsgradwerten, etwa von Fraunhofer ISE oder einem akkreditierten Prüfinstitut. Herstellerangaben allein sind keine neutrale Quelle.

Offen benannt statt erfunden: Eine belastbare, unabhängige Zahl dazu, wie viele PVT-Anlagen in Deutschland insgesamt installiert sind oder wie sich der Markt 2025 entwickelt hat, wurde bei dieser Recherche nicht gefunden. Nur die Anzahl gelisteter Produkte (rund 20) lässt sich belegen, keine Marktdurchdringung in Anlagenzahl oder Quadratmetern.

Solarthermie oder Photovoltaik: die Checkliste für deine Entscheidung

Vor der endgültigen Entscheidung lohnt sich ein kurzer Realitätscheck anhand der eigenen Zahlen statt anhand von Wirkungsgrad-Tabellen allein.

✅ Ihre Checkliste für: Solarthermie oder Photovoltaik: die Checkliste für deine Entscheidung

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Wer nach dieser Liste plant, vermeidet den häufigsten Fehler dieser Entscheidung: eine Technik zu wählen, bevor der eigene Verbrauch überhaupt bekannt ist.

Häufige Fragen

Lohnt sich Solarthermie 2026 überhaupt noch? +
Ja, vor allem bei hohem Warmwasserbedarf und begrenzter Dachfläche. Wirtschaftlich hat sich der Abstand zur Photovoltaik durch die stark gefallenen Modulpreise verkleinert, aber nicht umgekehrt – Solarkollektoren sind laut co2online preislich weitgehend stabil geblieben, während Photovoltaik-Systeme laut Fraunhofer ISE seit 1990 auf unter 8 Prozent des damaligen Preises gefallen sind.
Kann ich Solarthermie und Photovoltaik auf demselben Dach kombinieren? +
Ja, wenn die Fläche reicht. Eine kleine Warmwasseranlage braucht nur 4 bis 6 Quadratmeter und lässt auf den meisten Einfamilienhausdächern noch Platz für Photovoltaik auf der übrigen Fläche.
Was ist der Unterschied zwischen Solarthermie und einem PVT-Hybridkollektor? +
Solarthermie erzeugt ausschließlich Wärme, ein PVT-Kollektor erzeugt Strom und Wärme gleichzeitig aus derselben Fläche und löst damit die Flächenkonkurrenz auf, ist aber noch ein junger Markt mit wenigen Anbietern.
Bekomme ich für Photovoltaik auch eine Förderung wie bei Solarthermie? +
Nein, für reine Photovoltaik-Module gibt es keinen BEG-Investitionszuschuss. Stattdessen zahlt der Netzbetreiber die EEG-Einspeisevergütung von aktuell 7,70 beziehungsweise 12,22 Cent je Kilowattstunde über 20 Jahre.
Wie groß muss eine Solarthermie-Anlage für einen Vier-Personen-Haushalt sein? +
Für reines Warmwasser reichen laut Verbraucherzentrale und co2online übereinstimmend 4 bis 6 Quadratmeter Flachkollektorfläche. Für Heizungsunterstützung zusätzlich werden häufig 8 bis 15 Quadratmeter verbaut.
Warum ist die Einspeisevergütung für Photovoltaik niedriger als der Strompreis? +
Die EEG-Vergütung von 7,70 Cent je Kilowattstunde liegt deutlich unter dem Haushaltsstrompreis von 37,0 Cent, weil sie nur die Erzeugung vergütet, nicht Netzentgelte, Steuern und Abgaben, die im Endkundenpreis enthalten sind. Deshalb lohnt sich Eigenverbrauch meist mehr als Volleinspeisung.
Was passiert mit überschüssiger Solarwärme im Sommer? +
Sie geht ungenutzt verloren, sobald der Pufferspeicher voll ist – Solarthermie lässt sich anders als Photovoltaik nicht ins Netz einspeisen. Gut dimensionierte Anlagen begrenzen dieses Problem, ganz vermeiden lässt es sich laut Verbraucherzentrale bei Kombianlagen im Sommer aber nicht.